Lost Places

Kantgaragen

Zur Geschichte

Am 1. Oktober 1930 eröffnete der Kant-Garagen-Palast, auch Serlin Rampenhaus genannt. 
Im Erdgeschoss gab und gibt es eine Tankstelle sowie einen Automobilservice samt hydraulischer Hebebühne. Autowaschplätze befanden sich auf den Etagen im Zentrum der Wendelrampen. Selbsttätige Feuerschutztore konnten im Brandfall
einzelne Stockwerke verschließen.

Die schweren, grüngrauen Schiebetore laufen kugelgelagert in Bodenschienen, noch heute einwandfrei. Das gesamte Gebäude incl. der Garagenboxen war mit einer Zentralheizung ausgestattet, um die seinerzeit üblichen Holzrahmen-Karosserien vor Feuchtigkeit zu schützen. Zudem verfügte jede Etage über zwei Toilettenräume. 

Errichtet wurde die Hochgarage im Auftrag des Unternehmers Louis Serlin. Die Gesamtgestalt des Bauwerks entwickelten Bruno Lohmüller, Oskar Korschelt & Jakob Renker in Zusammenarbeit mit Hermann Herrey-Zweigenthal und Richard Paulick. Die beeindruckende Vorhangfassade, die über die gesamte Rückseite des Gebäudes als gläserne Haut gespannt ist, wird Herrey-Zweigenthal zugeschrieben. Für die doppelgängige Wendelrampe zeichnen vermutlich Herrey-Zweigenthal und Serlin gleichermaßen verantwortlich.

Die bis zur Kriegszerstörung auf dem Grundstück erhaltene
Gründerzeit-Villa von 1895 diente Serlin als Verwaltungsbau. In den Jahren 1930 bis 1937 war geplant, im unvollendeten Dachgeschoss entweder ein Dachgarten mit Restaurant, eine Kegelbahn oder eine Tennishalle einzurichten. Nichts davon wurde realisiert. Stattdessen wurde 1937 vom Planungsbüro der Siemens-Bauunion eine freitragende Hallenkonstruktion errichtet. Später befand sich hier eine Reparaturwerkstatt.

Den 2. Weltkrieg überstand die Kant-Garage mit leichten Beschädigungen. 1991 wurde die Kantgarage unter Denkmalschutz gestellt. Sie befindet sich im Berliner Ortsteil Charlottenburg. 

 


Ein paar Zahlen

1938 enteigneten die Nationalsozialisten Louis Serlin wegen vermeintlich jüdischer Abstammung. Er flieht im Sommer 1939 mit seiner Familie ins amerikanische Exil und lebt bis zum Ende des Krieges in Los Angeles.
1950 erhält Serlin sein Eigentum zurück.
Im Jahr 2003 stibt er. 
1961 wird an den Berliner Unternehmer Karl Heinz Pepper verkauft.
Im Juli 2013 stellte die Eigentümerfirma Pepper aus wirtschaftlichen Gründen einen Abrissantrag bei der Unteren Denkmalbehörde. Diesem wurde widersprochen.
Ende des Jahres 2015 wechselte das Gebäude erneut seinen Eigentümer, an Dirk Gädeke.

Gädeke, ein Charlottenburger Unternehmer, ist der Mann, der die Kantgaragen rettet und sie vom Dasein als Verwahrungsort privater Automobile befreit. Für einen geringen Preis kaufte er Ende 2015 die Kantgaragen von seinem Vorbesitzer, der ebenfalls keine Verwendung mehr als Parkhaus sah. Aber anders als Christian Pepper will Gädeke die letzte im Original erhaltene Immobilie dieser Art nicht abreißen, sondern nach allen Regeln des Denkmalschutzes aufpolieren. Noch dieses Jahr (Mitte des Jahres) sollen die Bauarbeiten beginnen. 


Weltweit gibt es nur einen einzigen vergleichbaren Garagenbau, der älter ist, und zwar die 1928 errichtete Richmond Garage in Virgina (USA). 


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